Koletzko S, Sobotzki C, Blömacher M, Plachta-Danielzik S, Schumann M, Baas S, Bokemeyer B, Schuppan D. Quality of Care and Burden in Patients with Celiac Disease: Results from the German Celiac Registry (GeCeR). Digestion. 2026 Jan 23:1-19. doi: 10.1159/000550496. Epub ahead of print. PMID: 41575898. Link zur Publikation
Das Deutsche Zöliakie-Register (GeCeR) hat seit seiner Gründung im Jahr 2019 gezeigt, wie wichtig eine strukturierte und patientenzentrierte Datengrundlage für die Verbesserung der Zöliakie-Versorgung in Deutschland ist. Das Register hilft, Versorgungsdefizite zu identifizieren, therapeutische Strategien wissenschaftsbasiert weiterzuentwickeln und die Grundlage für politische wie medizinische Entscheidungsprozesse zu stärken.
Die Auswertungen des Jahres 2025 belegen, dass die Zöliakie weiterhin mit erheblichen diagnostischen, therapeutischen und psychosozialen Herausforderungen verbunden ist. Vor allem bei Erwachsenen dauert es häufig zu lange, bis eine Diagnose gestellt wird. Daher sind eine stärkere Sensibilisierung von Ärztinnen und Ärzten sowie die konsequente Umsetzung bestehender Leitlinien notwendig. Auch die internationale Perspektive zeigt, dass Deutschland im Screening, der strukturierten Ernährungsberatung und der gesellschaftlichen Inklusion im europäischen Vergleich nur einen mittleren Rang einnimmt und deutlicher Nachholbedarf besteht.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Versorgung, Forschung und Grundlagenforschung ist wichtig. Fortschritte in der Grundlagen- und klinischen Forschung, etwa durch Proteomics- und molekularbiologische Analysen glutenhaltiger Getreidearten, liefern wichtige Erkenntnisse für zukünftige diagnostische und therapeutische Ansätze. Eine besondere Würdigung verdient in diesem Zusammenhang die außergewöhnliche doppelte Ehrung von Prof. Dr. Detlef Schuppan, der 2025 sowohl mit der Ismar-Boas-Medaille der DGVS als auch mit dem Oskar-Medizinpreis der Oskar-Helene-Heim Stiftung ausgezeichnet wurde. Diese einmalige Doppelehrung unterstreicht die klinische Relevanz der Zöliakie-Forschung in der gesamten Gastroenterologie und betonen zugleich, welchen Beitrag diese Forschung zur Verbesserung der Versorgung von Betroffenen in Deutschland leistet.
Neben der wissenschaftlichen Weiterentwicklung bleibt die Verbesserung der praktischen Versorgung zentral. Dazu gehören ärztliche Fortbildung, die Umsetzung aktueller Leitlinien sowie eine bessere Ernährungsberatung. Die Zusammenarbeit zwischen Fachgesellschaften, Forschungseinrichtungen und der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft ist dabei entscheidend, um Versorgung, Forschung und Patienteninteressen nachhaltig zu stärken.
Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, die medizinische Versorgung von Menschen mit Zöliakie in Deutschland nachhaltig zu verbessern – wissenschaftlich fundiert, strukturiert und patienten-zentriert.